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Klimasünder Lebensmittel

iStock_000015312443XSmallReformhaus, Bauernmarkt oder Supermarkt – Wo soll man Lebensmittel einkaufen, wenn man die Umwelt schonen will? Welche Kriterien soll und kann man beachten? Egal, was man isst, egal worauf man besonders achtet – ganz richtig macht man es nie. Selbst wenn das Fleisch von einem glücklichen Tier stammt und man die Zutatenliste genau studiert – das Klima beeinflusst man auf jeden Fall. Der bayrische Rundfunk (BR) hat unter der Redaktion von Armin Olbrich recherchiert. Man ist dafür den Spuren der Lebensmittelindustrie gefolgt, hat die Ergebnisse von großen Studien hinterfragt, die Transportwege verglichen, Visionäre der Landwirtschaft besucht und ist dabei auf überraschende Erkenntnisse gestoßen.

Ökobilanz von heimischen Äpfeln nicht besser als von Äpfeln aus Neuseeland: Alleine der Transport eines Riesenfrachters von Neuseeland nach Europa verschlingt etwa 1 Million Liter Treibstoff. Und trotzdem verliert der Apfel, der in 20.000 km Entfernung gewachsen ist, nur knapp in der Ökobilanz gegen den heimischen. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits relativiert sich der gigantische Treibstoffverbrauch eines Megaschiffes aufgrund der enormen Warenmengen, andererseits verbraucht  die Kühlung der hiesigen Äpfel über acht Monate bei 2 °C zum Haltbarmachen eine erhebliche Menge an Energie.

Tiefkühlpizza vs. selbst gemachter Pizza – Wer ist der größere Klimasünder? Die Umweltbelastung einer Tiefkühlpizza entsteht durch den Energieverbrauch des Ofens, der Verpackungsherstellung und dem Frosten. Stellt man dieser Belastung den Energieverbrauch einer selbst gemachten Pizza gegenüber, schneidet die TK-Pizza nicht schlechter ab. Das hat eine Studie der Technischen Universität München ergeben. Das gilt übrigens auch für andere Tiefkühlprodukte. Der Grund: Die massenhafte Stückzahl einer Tiefkühlproduktion reduziert den Energieverbrauch des Einzelstücks. Einen Nachteil aber hat die TK-Pizza: Sie ist in Plastik verpackt, das aufgrund der enthaltenen Weichmacher gesundheitsschädlich ist.

Bioprodukte umweltfreundlicher als konventionelle Lebensmittel? Konventionelle Lebensmittel werden in Übermengen produziert, sodass anfallende Treibstoffgase – wie etwa das schädliche Lachgas – auf das Einzelstück gerechnet keinen Nachteil in der Klimabilanz gegenüber Bioprodukten darstellen. Bei Faktoren wie Pflanzenvielfalt, Bodenleben und Raubbau allerdings sind biologische Lebensmittel die eindeutigen Gewinner. Trotzdem: Ob Bio oder nicht: 1000 km Transport bleibt 1000 km Transport.

So können Sie als Konsument Lebensmittel klimaschonend einkaufen: Sie leisten einen großen Umweltbeitrag, wenn Sie nur mehr 2 x in der Woche Fleisch essen, das aus biologischer Landwirtschaft stammt. Die Massentierhaltung verbraucht Unmengen an Getreideressourcen (meist Soja aus Übersee!) als Futter für die Tiere. Millionen Rinder, Schweine & Co. produzieren mit ihrer Ausscheidung wiederum Lachgas im Übermaß. Den Kreislauf könnte man schließen, indem man die Ausscheidung der Tiere als Dünger für das Gras auf dem Feld nutzt, das wiederum den Tieren als Futter dient. Genau das leben die vergleichsweise kleinen Landwirtschaften in unserem Land positiv vor. Ein moderater Konsum von Fleischwaren von einheimischen Bauern (mit und ohne Biosiegel) schonen die Umwelt und tragen ihren Teil gegen die respektlose Massentierhaltung bei. Wer wie zu Großmutters Zeiten wenig Fleisch verzehrt und Lebensmittel bevorzugt, die zur Jahreszeit passen, leistet einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz.